Die Wolfskapelle in Friebertshausen

An der Wegbiegung, wo die Straße von Frohnhausen und Rüchenbach her kommend in Richtung Friebertshausen führt, liegt rund 150 Meter vom Ort entfernt auf der rechten Seite der Allna das sagenumwobene Kirchlein, das im Volksmund liebevoll „Wolfskapelle“ genannt wird.

Wolfskapelle

von Lothar Merte

Die Wolfskapelle ist ein kleiner gotischer Kirchenbau aus dem Mittelalter mit polygonalem Chorschluss. Die Bauweise ist massiv mit Bruchsteinen, wobei sämtliche Eck- und Schlusssteine in Sandstein ausgeführt wurden. Über die Erbauung und Entstehung der Wolfskapelle existieren keinerlei schriftliche Unterlagen beziehungsweise sind noch keine in den Archiven aufgetaucht. Der erste schriftliche Nachweis, der auf ein Bestehen einer Kirche hinweist, stammt aus dem Jahre 1584, wo bei einer Aufzählung der Ländereien des Friebertshäuser Herrengutes im Saalbuch des Amtes Blankenstein unter anderem „ein Acker hinter der Kirch“ erwähnt wird. Die Kirche ist jedoch ohne Zweifel wesentlich älter. Licht ins Dunkel könnte vielleicht eine Bauzeitbestimmung des Dachstuhls durch eine dendrochronologische Untersuchung (Fälldatumsbestimmung der Balken anhand der Jahresringe) bringen. Der Baustil der Kirche ist gotisch, dieses könnte auf eine Erbauung im 13. oder 14. Jahrhundert hinweisen, in der Literatur wird oft auch 12. Jahrhundert angenommen. Dieses ist jedoch ziemlich unwahrscheinlich, setzte sich doch der gotische Baustil erst Ende des 13. Jahrhunderts mit dem Bau der Elisabethkirche in Marburg (1283) langsam durch. Die Kirche war ursprünglich innen mit zwei Gewölben und mit einem Chorbogen ausgestattet. Man kann diese noch an den vorspringenden Innenwänden und den Schlusssteinen des Chorbogens sehen. Die Fenster waren demzufolge auch kleiner und wahrscheinlich mit Spitzbögen versehen. Bei der Erbauung der Kirche hatte man entweder eine Erweiterung mit eingeplant oder sie war größer, denn der Sandsteinfries unterhalb des Daches ist an der Westseite unterbrochen. Außerdem befindet sich dort auch ein großer Torbogen.

Die Erbauungsumstände sind auch ungewöhnlich, zum einen, dass sich die Kirche nie im Dorf befand (meist wurden die Kirchen im Zentrum erbaut) zum anderen, dass Friebertshausen zu jener Zeit nur ca. 6 Haushalte zählte, also sehr wenig, um sich eine Kirche zu leisten. Es liegt nahe, dass die Kirche eine Schenkung eines ortsansässigen Adligen ist. Auch die These, dass die Kirche als Wallfahrtskapelle geplant gewesen sei, um dem Pilgerstrom zum Grab der heiligen Elisabeth eine Betstatt auf dem Weg nach Marburg anzubieten, kann ins Auge gefasst werden. Allerdings verlief die Straße im Mittelalter von Herborn her kommend über Gladenbach nach Marburg nicht über Friebertshausen. Erst später im 15. bis 16. Jahrhundert wurde die Straße von Gladenbach über Friebertshausen nach Marburg vermehrt benutzt.

Die erste belegte Jahreszahl ist 1486; in jenem Jahre wurde die Glocke mit der Inschrift AVE MARIA ANNO DM MCCCCLXXXVI gegossen. Umbauarbeiten innerhalb der nächsten 250 Jahre liegen noch weitestgehend im Dunkeln. Die Kirche wurde um 1526 reformiert. Bei einer Kirchenvisitation aus dem Jahre 1628 wird nicht besonders auf die Friebertshäuser Kirche eingegangen. Es werden einige Kirchen im Kirchspiel Gladenbach genannt, von den restlichen Kirchen wird nur folgendes erwähnt, „... etliche Gemeinden halten ihre Kapellen gar unsauber und unrein“. In dieser Zeit dürfte auch die Sage um die Wolfskapelle entstanden sein, derzufolge ein Metzger aus Gladenbach ein Kalb an die offene Kirchentüre band, um noch einige Geschäfte in Friebertshausen zu tätigen. In der Zwischenzeit schlich sich ein hungriger Wolf an das Kalb heran. Bei dem Versuch das Kalb zu erhaschen, verfehlte er das Kalb und sprang in die offene Kirche. Das Kalb, das sich dabei sehr erschrocken hatte, versuchte sich loszureisen, riss heftig am Strick und zog die Kirchentüre hinter sich zu. Der Wolf, der nun in der Kirche gefangen war, wurde daraufhin erschlagen oder wie manche zu berichten wissen, sogar durch die geschlossene Kirchentüre erschossen. Wie es sich genau zugetragen hat, wird wohl ein Geheimnis der Geschichte bleiben.

Im Jahre 1747 erfolgte eine umfangreiche Renovierung. Die Gewölbe wurden entfernt, die Kirchenfenster vergrößert und erhielten die jetzige rechteckige Form. Auf einem Sandstein oberhalb des linken Fensters ist noch die Jahreszahl 1747 eingemeißelt. In jenem Jahre dürfte auch die reizvolle Empore aus Eichenholz entstanden sein, die fortan Platz für die Männer bot, wobei erwähnt werden muss, dass jede Familie ihren Kirchenstuhl in Gladenbach besaß, der in der Regel auch besetzt sein sollte. Der sonntägliche Gottesdienst, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen fanden in Gladenbach statt. Der Chronist Johann Schneider berichtet das bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts nur sechsmal im Jahr Gottesdienst in Friebertshausen gehalten wurde. Der Altar aus Sandstein wurde im Jahre 1834 erneuert. Die Jahreszahl ist vorne in die Altarplatte eingemeißelt. 1848 wurden die Kirchenfenster erneuert. Das Querstück war mit der Inschrift „Jost Merte 1848“ versehen.

Im Jahre 1887 wurde die Kirche wiederum grundlegend renoviert. Das Dach wurde umgedeckt, erhielt einen neuen Hahn und sämtliche Wandmalereien und Sprüche, mit denen die Kirche im Innenraum geschmückt war, weiß überstrichen. 1922 wurde die Kirche mit elektrischem Licht versehen und einige Instandsetzungsarbeiten im Innenraum ausgeführt. Im Jahre 1950 wurde die Kirche wieder neu eingedeckt und erhielt einen neuen Hahn, der mit Bändern geschmückt durchs Dorf getragen wurde, außerdem wurde der Sandsteinboden und die Holzböden erneuert und die einfachen alten Bänke durch neue Kirchenbänke mit Gesangsbuchablagen und Rückenlehnen in massivem Eichenholz ersetzt. Des Weiteren wurde das Gemälde „Luther im Kreise seiner Mitarbeiter“ durch ein Kreuz in Eichenholz ersetzt. 1952 erhielt die Kirche eine neue Eingangstüre, da die alte Brettertüre aus Eichenholz sehr undicht war, neue Holzfenster und eine Kanzel. Die Kanzel stammt aus der alten Mornshäuser Kirche, wobei erwähnt werden muss, dass sich vorher keine Kanzel in der Wolfskapelle befand. Außerdem wurde nach langem Genehmigungsverfahren ein Ofen mit Schornstein eingebaut. Doch der Ofen bracht nicht die erwartete Verbesserung, zum einen rauchte er, zum anderen heizte er nur die Bänke auf der Empore und unten blieb die Kirche kalt. So wurde 1967 der Ofen mit dem Schornstein wieder abgerissen und durch eine elektrische Heizung ersetzt. Die Kirche wurde von außen mit einem Kellenputz versehen, wobei die Sandsteine und der Torbogen auf der Westseite freigelegt und von innen neu gestrichen wurden. Am 17.07.1970 wurde das elektrische Läutwerk eingebaut - nun brauchte man nicht mehr morgens und abends um 6.00 Uhr und mittags um 12.00 Uhr die Glocke von Hand zu läuten.

Seit dem Jahre 1992 erklingt nun auch eine Orgel, ebenfalls aus massivem Eichenholz, im Friebertshäuser Gotteshaus und unterstützt den Kirchengesang musikalisch.


Die Wolfskapelle ist ein kleiner gotischer Kirchenbau aus dem Mittelalter mit polygonalem Chorschluss. Die Bauweise ist massiv mit Bruchsteinen, wobei sämtliche Eck- und Schlusssteine in Sandstein ausgeführt wurden. Blick von der Empore auf den Altar. Die Glocke der Wolfskapelle.
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